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Le Dossier Marc Pujo
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Der Artikel Pujo´s von 10/1910, den ihr gerade gelesen habt, steht in engem Zusammenhang mit einer ganzen Reihe von Artikeln aus der französischen Drachenzeitschrift der Jahre 1909 bis 1914: "Le Cerf-Volant", später: "La Revue du Cerf-Volant". Pujo selbst zählt zu den Schreibern, Lecornu, Roch Donzella und auch die belgischen Brüder Icks.

Eine schöne Episode aus der Geschichte des Drachenbaus. Eine Geschichte von menschlichem Erfindergeist, von Dingen, die schon mal da waren, menschlicher Eitelkeit und Verletzlichkeit und Sturheit. Von Missverständnissen, Erkenntnis und Kompromissbereitschaft, dem Willen, sich anzunähern und gemeinsam an der Lösung eines Problems zu arbeiten. Sich auszutauschen und Anderen Ergebnisse mitzuteilen.
Es begann mit dem Artikel von Roch Donzella in Nummer 4 o.g. Zeitschrift, aus dem folgendes Bild entnommen ist (donzella, jan) und dessen bemaßte Skizze hier wiedergegeben ist (Fig.1).

Die Drachen Eddy’s sind Donzella nicht flugstabil genug, der "Multicellulaire" von Lecornu zu aufwendig in der Konstruktion. Es brauche einfache, leichte Drachen, um einen guten Flugwinkel zu erreichen. Und das sind für Donzella die Einzeller.
Es muß Donzella dann geärgert haben, wenn Lecornu in der Nummer 7/1910 schreibt, dass die verschiedenen Formen des Einzellers (Fig. 2-6) keinerlei seitliche Stabilität besitzen würden.

Diese ist nur durch eine zweite Zelle, wie zum Beispiel bei Hargrave zu erreichen oder durch den „Etagen“-Drachen (Fig.7) oder den "Multicellulaire" (Fig. 8) von Lecornu.
 
Das lässt Donzella in seinem Artikel aus 8/1910 nicht auf sich sitzen. Für die Stabilität von Einzellern führt er als Beweis den „Frosch“-Drachen von Köppen (Fig. 9) und den „Cyrnos“ von J. Soulard Didonne (Fig.10) an.



Das Bild, das eine Weiterentwicklung des Einzellers von Donzella zeigt, hat nun aber, abweichend von der reinen Form des Einzellers, eine vordere und eine hintere Stabilisierungsfläche und wird "Einzeller mit Flügeln" genannt.
Pujo wiederum schrieb dann im bekannten Artikel von 10/1910 von den aerodynamischen Problemen der zweizelligen Kastendrachen und schlägt zwei Lösungen vor: seinen Drachen mit dezentralen Zellen. Oder aber: "lassen wir die hintere Zelle einfach weg und kommen so zurück zum antiken japanischen Einzeller, der dann aber nicht so recht stabil wäre."
Zu diesem antiken Vorbild geben die "Illustrierten Aeronautischen Mittheilungen" vom April 1903 wertvolle Informationen . Fig. 11 zeigt verschiedene Formen des "Andon"-Drachens.

Dazu heißt es: "Der Andon-Drachen wird in Japan auch Würfeldrachen genannt. Er wurde im Jahre 1847 zur Zeit des Kaisers Ninko besonders dadurch bekannt, dass man eine derartige Konstruktion in größerem Maßstabe ausführte und zur Belustigung Menschen mit ihm in die Höhe hob. Heute ist er mehr in Vergessenheit gerathen und nur im südlichen Theile Nippons, in der Umgegend von Mikawa, noch in Gebrauch."

Donzella antwortet dann direkt in Nummer 11/1910 auf den Artikel von Pujo und gibt ihm in wesentlichen Punkten recht. Er kommt dann aber zu einem anderen Drachenmodell, das Figur 12 zeigt, und welches er in allen Konstruktionsdetails mit Maßen beschreibt und dessen Vorteile so angibt: „ Während Pujo die hintere Zelle beibehält durch ein aufwendiges Gestänge, was höheres Gewicht verursacht, haben wir Diese weggelassen und eine stabilisierende Tragfläche übrig gelassen. Während Pujo gleichgroße Zellen hat haben wir die Fläche der Vorderen Zelle vergrößert und der hinteren Zelle verkleinert und damit den Druckpunkt mehr nach vorne verlagert. Dieser „Monocellulaire ( von diesem Begriff geht er einfach nicht weg) ist leicht, einfach, er hat einen guten Flugwinkel und die hintere Fläche gibt ihm Stabilität.“
Die Brüder Icks pflichten Donzella in Ihrem Artikel von 12/1910 bei und vertreten die These, daß ein Einzeller auch stabil fliegt, wenn er nur richtig gefesselt ist.(Fig. 13)

Pujo gibt nun Donzella seinerseits in der Januar- Ausgabe 1911 in wesentlichen Punkten Recht und stellt mehr die Gemeinsamkeiten heraus. Besonders den Vorwurf, sein Drachen wäre zu kompliziert und damit auch zu schwer, nimmt er auf und präsentiert eine abgewandelte Form der Aufspannung der Zellen, die an Cody erinnert.(Fig.14)

Den Konsens suchend formuliert Pujo: „ Es gibt keine besseren Drachen. Es gibt leichte und flexible Drachen für leichte bis mittlere Winde und den Festen, Stabilen und Unverformbaren, Schwereren für starke Winde. Donzella hat sich auf Erstere spezialisiert, ich auf die Zweiteren und weder der Eine noch der andere hat Unrecht.“
Donzella geht es nun in seinem Artikel von Nummer 4/1911 vor allem darum zu sagen, dass er nicht behaupten wollte, der Einzeller wäre allen anderen Drachenformen überlegen. Es müsse vielmehr darum gehen, die Vorteile der Konstruktionen von Ihm und Pujo zu vereinigen, nämlich: Stabilität, Steifigkeit und Zugkraft auf der einen Seite und Einfachheit, geringes Gewicht und guten Flugwinkel auf der anderen Seite.

Eine genaue Beschreibung mit allen Details und Maßen des auf dem folgenden Bild gezeigten Drachens folgt dann in diesem Artikel. Dieses Modell nennt er„Monobloc.“ (Fig.15)

Den Abschluß dieses Austausches zwischen Pujo und Donzella bildete der Artikel Donzellas vom Mai 1911, der eine Evolutionsstufe des „Monobloc“ beschreibt. (Fig.16)

Er änderte vor allem die Aufspannung der Zellen, indem er ein Mischsystem von Cody und Lenoir anwendet, was zur Folge hat, dass die großen, die Zellen verbindenden Flügel des Vorgängers entfallen müssen. Deshalb werden nun an den oberen Tragflächen der beiden Zellen Flügel angebracht. Zweite Modifikation ist eine Zellenzwischenwand in der hinteren Zelle, Dritte ein zusätzliches Dreieckssegel an der Vorderkante der oberen Tragfläche der vorderen Zelle (Fig.17)

Dieses letzte Modell hätte die besten Resultate erzielt.
Die Bilder, die ich von Jan Desimpelaere´s Original !! - Donzella auf dem Historical Kite Workshop 2001 in Haltern aufgenommen habe zeigen noch mal eine Zwischenstufe von "Monobloc" und seiner Evolutionsstufe, weil nur die vordere Zelle Flügel an der oberen Tragfläche hat. Das Zwischensegel in der Hinterzelle war schon vorhanden, nicht aber fest vernäht, sondern an Miederhaken eingehängt. Da hat Donzella wohl noch probiert.

 

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