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Pantenier

 
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Gabriel Pantenier:
Erfinder und Erbauer von Drachen für wissenschaftliche Zwecke

   
von Pierre Maziere, (Übersetzung durch Falk Hilsenbek)


Der Wunsch zu Fliegen

Gabriel Joseph Marie Pantenier wurde am 12.August 1883 im Departement Nord in Avesnes-Sur-Helpe geboren, wo sein Vater dem Beruf des Tischlers nachging. Er beendete seinen Militärdienst in Lille 1907 beim 43. Infanterieregiment als Flötist. Noch heute leitet dieses Regiment einen Teil seines Ansehens von seiner Musik ab. Gabriel ist ein guter Flötist. Er wird für eine Zeit lang Musikprofessor an einem Kolleg und Orchesterchef eines Kinos in Lille sein.

In den Anfängen der europäischen Luftfahrt versucht er, ein Flugzeug aus Bambus mit einem Automotor zu bauen. Es stellte sich als Misserfolg heraus. Er entscheidet dann, sich dem Drachenbau zu widmen. Das Buch von Georges Houard "Drachenaufstiege" von 1910 erwähnt ihn zwar nicht, aber es ist wahrscheinlich, dass Gabriel schon 1909 Kinder mit Drachen in Mons en Baroeuil, einem Vorort von Lille, aufsteigen ließ.




Die erste Erwähnung Panteniers in der Zeitschrift "Le Cerf-Volant" findet sich im Zusammenhang des Wettbewerbes für wissenschaftliche Drachen in Valenciennes am 2.6.1912. Mit seinem Drachengespann errang er den ersten Platz im Gewichtheben und wird Neunter im Wettbewerb um den besten Flugwinkel. Im August desselben Jahres nimmt er am Wettbewerb in Spa (Belgien) teil, der die besten europäischen Drachenflieger der Epoche vereint und den Gipfel des Drachens als wissenschaftlichem Gerät darstellt. Zu dieser Zeit konkurriert der Drachen neben gefesselten und lenkbaren Ballons noch in den Bereichen hoher Luftschichten und dem Flug bei Starkwind mit dem Flugzeug.

Im Wettbewerb der Drachen zum Gewichtheben wird Gabriel Erster gleichauf mit dem Belgier Georges. Die Aufgabe besteht darin, ein bestimmtes Gewicht zu heben, das für alle Apparate auf 85 Kilo festgelegt ist. Ein Höhenmesser liefert Angaben zur Höhe und zur benötigten Zeit. Dieses Ergebnis ist Bestätigung für Pantenier, der seine Untersuchungen nun auf Drachen richtet, deren Spannweite im Verhältnis zu ihrer Höhe groß ist, was deren Tragkraft verbessert. Andererseits kann so die Zahl der Drachen im Gespann verringert werden, deren tragende Flächen einheitlich sind. Diese Veränderung bringt zwei Vorteile: es ist leichter einen Zug von zwei Drachen zu fliegen als einen von Vieren und schließlich hat ein großer Drachen mehr Tragkraft als Zwei mit geringerer Fläche. Auf die Spitze getrieben führte dies dazu, einen einzigen, sehr großen Drachen zu benutzen, so wie es Georges nach dem 1.Weltkrieg tat.




Die neuen Drachen Panteniers sind vom Typ Hargrave, versehen mit Flügeln an der Vorderseite der oberen Tragfläche der vorderen Zelle und den Zellenseiten. Die Spannweite beträgt 6 Meter bei einer Höhe von 4,5 Meter. Tragende Fläche: 20 Quadratmeter. Pantenier schließt wie alle Drachenflieger seiner Zeit die Verwendung von Flachdrachen bei Aufstiegen aus, weil er herausfand, dass sie bei einem Wind von 9-10m/sec. keine Stabilität haben.

Im Februar 1913 gründet Panteneir in Lille "L´Aigle, Drachenclub Pantenier" Hauptbeschäftigung sind gefesselte Aufstiege. Ein 14-seitiger Katalog desselben Jahres schlägt Drachen für verschiedene Verwendungszwecke vor: drahtlose Telegraphie, Luftphotographie, Meteorologie, Signalisation, Werbung, Ziehen von Kanus oder Fahrrädern, selbst die Jagt mit dem "Aigle Volant". Für Aufstiege kann man das gesamte Material für 2800 Francs kaufen, während ein Flugzeug je nach Modell zwischen 7000 und 25000 Francs kostet. In diesen leuchtenden Anfängen der Luftfahrt musste aber ein immer höherer Preis bezahlt werden: ein Toter 1908, Drei in 1909, 34 in 1910 und fast 100 im Jahre 1911 und dies in einem von Wenigen praktizierten Sport. 1909 gab es 18 Patente in diesem Bereich, 354 in 1910 und 1721 in 1914.




Ein letztes Treffen der Drachenflieger, bevor das Drachenfliegen erst wieder in den 60gern des 20 Jahrhunder auftauchte, fand in Boulogne-sur-Mer im Juni 1914 statt. Pantenier nahm mit einer Mannschaft von 15 Leuten daran teil, darunter sein Sohn und seine schöne Schwester, die selbst in der Gondel aufstiegen. "L´Aigle Club" war der Favorit, sein Drachengespann wurde durch wilde Böen aber zweimal zu Boden geschleudert, schließlich doch als Dritte gewertet.

Am Vorabend des 1. Weltkrieges ist Pantenier einer der besten zivilen europäischen Drachenpiloten auf dem Gebiet des Manlifting. Sein bester Aufstieg erreichte 150 Meter.


Der Erste Weltkrieg

Zu Kriegsbeginn war Pantenier 31 Jahre alt. Er rückte sofort zu den Sanitätern ein und wurde am 20 August nahe Verdun gefangen genommen und nach Bayern überführt. Im Juli 1915 wurde er befreit.

Pantenier verfügte nun nicht mehr über seine Drachen, die er in Lille versteckt hatte und ist von seiner Familie getrennt. Am Ende des Sommers 1915 ist Pantenier Corporal der 46. Kompanie "d´aerostiers de campagne". Im Dezember 1916 schlägt er in einem wohlbegründeten Bericht vor, die bisher verwendeten Kriegsdrachen von Saconney durch solche von Pantenier zu ersetzen. Die Basis seiner Argumentation ist, dass ein Zug von Saconneydrachen bei guten Bedingungen nicht verwendet werden kann, weil das Flugseil nicht durch den Stelle des Drachens hindurchläuft , wo der Hauptdruck des Auftriebes ausgeübt wird. Dadurch muß jeder Drachen im Zug einzeln optimal eingestellt werden.

Pantenier erklärt, dass es durch diese Unzulänglichkeit in seiner Kompanie zwischen dem 1. September 1915 und dem 30. Januar 1916 nicht mehr als einen Aufstieg von zwei Stunden gegeben habe. Er schlägt nun vor, die bessere Effizienz seiner Anordnung prüfen zu lassen, bei der das Flugseil zwischen den beiden Tragflächen der vorderen Zelle hindurchläuft und die optimale Regulierung der Drachen ermöglicht. Die Vorschläge Panteniers kommen im Mai 1917 bis vor eine Kommission des Militärsenates, aber es wird Caporal Pantenier nicht erlaubt, seine Experiment fortzusetzen, weil sie wahrscheinlich das Ansehen des Polytechnikers und Batallionschefs Saconney kompromittiert hätten.




Was Pantenier sagt bestätigt Frantzen: die Drachen waren schlecht und wurden deshalb im 1.Weltkrieg nur wenig eingesetzt. Der einzige Augenzeugenbericht einer wirklich wichtigen Drachenverwendung betrifft die 30. Kompanie, die vom 27.9.1914 bis zum 10.2.1915 172 Aufstiegsstunden realisieren konnte, 48 davon mit Drachen zu den verschiedenen militärischen Zwecken. Nur 12 von 83 Kompanien "d´aerostiers" verfügten überhaupt über perfektes Drachenmaterial zur rechten Zeit.

Gegen Ende des Krieges, 1917 wurde Pantenier zum Chef der Versuche und der Fabrikation von meteorologischen Drachen am Observatorium von Trappes ernannt, wo er während 18 Monaten mit den besten Spezialisten arbeitete. Nach drei Jahren Besetzung des Landes konnte er wieder mit seiner Familie zusammenleben. Während der gleichen Periode machte er auch Drachenversuche für die Marine in einem Ort namens Gavres, nahe der Stadt Lorient.


Der Erbauer von Drachen zu wissenschaftlichen Zwecken

Die Aufstiege von Drachen waren die Leidenschaft der Jugend Panteniers , die außergewöhnlichen Erfolge der Luftfahrt während des Krieges machten die Drachen in diesem Gebiet überflüssig.

Nach dem Krieg, zurück in seiner Heimatstadt, konstruierte Pantenier unter der Marke „Plano“ Stranddrachen (also wohl Freizeitdrachen). Nachdem der Platz zum Drachenfliegen immer enger wird und er sich ein Auto gekauft hatte flog die ganze Familie am Strand von Malo-les-Bains Drachen.

Er beschäftigt sich mit der Luftphotographie und entwickelt den "Planophone", einen Antennen tragenden Drachen. Er produziert pro Jahr ungefähr 10000 Drachen. Weil dies Saisonarbeit ist helfen ihm bis 1935 seine Tochter und sechs weitere Personen bei der Herstellung. Er importiert Bambus in großen Mengen und hat Schweirigkeiten gerade Stangen mit gleichem, Durchmesser zu finden. Genauso ist er ständig auf der Suche nach feinen und festen Baumwollstoffen.Er kommt seinen täglichen Verpflichtungen nach und steht nachts auf, um seine Ideen zu skizzieren. 1920 entwickelt er einen Höhenmesser, 1932 rüstet er eine Polarexpedition mit hargraveähnlichen Drachen von zwei Meter Höhe für meteorologische Messungen aus.




In einem Katalog von 1930 bietet er weiter Material für Manlifting an, um bis zu 1000 M aufzusteigen. Der letzte große Auftrag für Pantenier sollten eigentlich Drachen für die französische Marine sein, durch den Kriegsausbruch aber wurde diese Bestellung zurückgenommen.

Nach dem 2. Weltkrieg verkauften sich Drachen schlecht, aber Pantenier stellt immer noch sieben verschiedene Modelle des Typs "Coucou" her, die sein größter Erfolg waren. Die zwei größeren Ausführungen sind für die Meteorologie bestimmt und haben 2,2 bzw. 3,35 m Spannweite und sind vom Typ dreieckiger Zellen mit Flügeln. Empfohlen werden sie für Winde von 3-12 m/sec., für stärkere Winde wird der klassische Hargrave empfohlen.

Eine Besonderheit seiner Drachen zu dieser Zeit ist die Verwendung eines Systems von Haken und Ringen zum Auf-und Abbau.

1954 zieht Pantenier nach hellemmes und produziert dort u.a. Zellendrachen des Modells "Triplan", die zur Temperaturmessung in großen Höhen bestimmt sind. Bis zum Ende seines Lebens stellt er noch 4000 Drachen her.

Gabriel Pantenier stirbt am 8.2.1964. Der Versuch, die Produktion aufrecht zu halten scheitert.

Mehrere Personen, die ich getroffen habe und ihn kannten, erzählten mir von der großen Freundlichkeit dieses >Drachenfliegers, der einen Umschlag an seine Enkel mit "Gabriel Plano" signierte.


Quellen:

Luftfahrtmuseum In Le Bourget am Flughafen von Paris
Zeitschrift "La Revue du Cerf-Volant" (1912-1914)
Zeitschrift « La Voix du Nord »
Zeitschrift « La Conquete de L´Air » 1/9/1912
Lieutenant Colonel Patard : Geschichte des 1. und 2. Regiments "d´aerostation d´observation"
Luc Robene: Der Mensch und die Eroberung des Luftraumes


Danksagungen:

den Nachbarn von Gabriel Panteneir
Madame Bouis
Herr Valin für seine freundschaftliche Hilfe
Frau Marias, Tochter von G. Pantenier, die mir gerne einige Erinnerungen an ihren Vater erzählte, die mir Dokumente zeigte und mich v.a. sehr liebenswürdig empfangen hat.
Patrick Skibinski, der für die Photoseite verantwortlich zeichnet


 
   
 
   

 

 

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