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Ich habe Lamson durch die Arbeit von einer anderen Seite her kennengelernt. Ich dachte immer, er hätte vorwiegend Drachen gebaut. Das hat er auch, aber genauso sehr war sein Ziel:
der menschliche Gleitflug.
Lamson war der erste Mensch in den USA, der nach Originalplänen Lilienthals einen seiner Gleiter baute und flog. Die Geschichte bis dahin schildert er in seinen Briefen an James Means.

Schon Ende 1894, Anfang 1895 bekam er die Pläne von Lilienthal, an die er sich genau hielt. Sein Gleiter wog 30-40 lbs. Am 13.6.1895 ist das Gestänge bereits wochenlang fertig, was fehlt ist noch die Bespannung. Das heißt wohl , das Lamson auf gutes Wetter dafür angewiesen war, folglich unter freiem Himmel arbeiten musste. Am 2.Oktober 1895 ist der Gleiter dann fertig, aber Lamson fürchtet Bruch beim Test. Seinen ersten Gleiter jedenfalls will er für 125$ verkaufen, ohne ihn je getestet zu haben und dann einen neuen, Günstigeren zu 85 $ bauen. Er stellt fest, dass der Lilienthal nur mit viel Akrobatik zu fliegen ist.

Er baut sich deshalb eine vergrößerte Variante seines Multiplane Kite, dessen Tragflächen über Hebel angesteuert werden können und erwägt auch den Test verschiedener Motoren in diesem Modell.

Am 11.5.1896 erwähnt Lamson, dass nun das Gerippe für die obere Tragfläche seines Lilienthal Gleiters fertig wäre. Sein zweites Modell war also ein Doppeldecker! Zwei Monate später fragt er Means, warum Lilienthal denn vom Doppeldecker abgekommen wäre. Den Grund, warum Lamson selbst von Lilienthal abgekommen ist gibt er in einem Interview in der Zeitung "The Eddy Current" von 1897 an: "Obwohl seine Tragkraft ausreichte, das Gewicht eines Menschen zu tragen läßt seine Stabilität in der Luft sehr zu wünschen übrig. Der Gleiter ist zu gefährlich um als erfolgreicher Typ zu gelten. Für Luftsprünge von 300 Yards ist er gut genug."

Schon während der Lilienthalstudien und aufgrund seiner Flugerfahrungen entwickelte Lamson seine eigenen Gleitflugmodelle: den ersten Manlifter, den er am 23.8.1896 im Hafen von Portland vor 15000 Zuschauern aufließ. Dies ist das bekanntere Modell, 9 m lang mit einer Sapnnweite von 8.5 m und einem Abstand von oberer und unterer Tragfläche von 2,1m. Seine Gleitflugeigenschaften bewieß dieses Modell aber nur unfreiwillig als auf einer Höhe von 200 Metern die Leine riß.

Im Winter 1896/97 entstand dann ein schon eher auf Gleitflug ausgelegtes Modell von 7,8 m Spannweite und Länge und einer tragenden Fläche von 600 Quadratfuß. Am 19.5.1996 flog dieses Modell im Freizeitpark von Falmouth Foreside.
Das "New York Journal" vom 13.7.1897 berichtet dann von der ersten Frau weltweit, Grace M. Gould, die einen Gleitflug machte. In eben jenem Lamson Gleiter von 1896.

H.Hoernes zeigt dann in seinem Buch "Die Luftschifffahrt der Gegenwart" von 1903 noch einmal einen weiterentwickelten Lamson-Gleiter, macht aber leider keine näheren Angaben, v.a. nicht zur Bauzeit.
Von Motorgleitern war bei Lamson bei den mir bekannten Modellen aber nicht die Rede. Dazu kann ich nur bemerken, dass Lamson in seinem Aerocurve Patent zwar auch von einem möglichen Motorantrieb redet. Die ganze Konstruktion scheint mir aber nicht dafür geeignet. Lamson selbst sagte in einem Interview von 1897, dass es ihm primär um optimale Tragflächen ginge und andere große Erfinder sich dem Motorflug widmen sollten.
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