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Arbeit am Great Diamond. Von Charles H. Lamson (Übersetzung Hilsenbek)




Ich hatte schon lange großes Interesse an der Luftfahrt und gelegentlich auch an Drachen als mir 1896 die Aprilnummer des "American Engeneer and Railroad Journal" in die Hand fiel, das Herrn Hargraves neuesten Kasten,-oder Zellendrachen beschrieb. Ich entschloß mich, einen zu bauen. Dieser Drachen mit einigen Modifikationen eigener Erfindung war der Erfolgreichste, den ich in diesem Jahr geflogen bin. Die Maße meines Drachen waren die Folgenden: Tiefe jeder Zelle: 63.5cm, was der Breite des schwarzen Cambric für die Bespannung entsprach. Ein schmaler Saum verstärkte die Leitkanten. Breite der Zelle: 183cm, Höhe: 61 cm, Abstand zwischen den Zellen: 132 cm. Gesamtbreite des Drachens: 183 cm, Länge 259 cm. Das Rahmenmaterial besteht aus langfaserigem Sprucewood. Die Kreuzspreizen der Zellen wurden elliptisch geschliffen, die spitzen Enden dem Wind zugewandt. Maße: 22 zu 10 mm. Die äußeren Spitzen liefen konisch aus. Diese Spreizen waren im erforderlichen Winkel durch dünne Messingbeschläge an den Spreizen befestigt.

Die anderen Enden der Streben wurden einfach eingekerbt und drücken gegen das Rückrat. Diese Methode war sehr befriedigend. Die zwei unteren Paare der Spreizen wurden 10,2 cm kürzer ausgeführt als die, die die oberen Ecken spreizen, um so den Zellen einen leicht V-förmigen Winkel zu verleihen. Dies schien mir für die seitliche Stabilität des Drachens von Vorteil zu sein. Die Leitkante der Bespannung wurde konkav nach innen gezogen: alle 63,5 cm 1,6 cm . Dieser Drachen mit seiner 50 Quadratfuß großen Fläche zog sehr stark und war in starken Winden nur sehr unkomfortabel zu bedienen. Deshalb wandte der Verfasser seine Aufmerksamkeit einer Vorrichtung zu, durch die übermäßiger Winddruck gemildert werden sollte, um so der Gefahr des Abreißens vorzubeugen. Um dies zu erreichen wurden die Längsverbindungen nahe jeder Zelle abgesägt und so miteinander verbunden, dass der Winkel der Zellen zueinander und zum Wind geändert werden kann. Zwei Schnüre wurden eingesetzt, um diese Bewegung zu begrenzen und einstellen zu können. Die Hinterzelle wurde mit einem halben Pfund Blei beschwert und die beiden Zellen in einen Winkel von ungefähr 10 Grad zum Stützrahmen zwischen Vorder,-und Hinterzelle befestigt.




Ein Bugspriet von ungefähr 51 cm Länge wurde in der Mitte der Unterseite der Frontzelle angebracht und die Flugleine an dessen vorderstem Punkt eingehängt. Diese Vorrichtung erwies sich als sehr erfolgreich. Der Zug wurde so schwach, dass die Leine auch bei Starkwind mit der Hand gehalten werden konnte. Derart modifiziert hat der Drachen nie auch nur die geringste Tendenz gezeigt, überzufliegen oder zu gieren. Im Falle des Abreißens segelte er mit einer stetigen, majestätischen Bewegung wie ein Ballon und landete ohne große Beschädigungen sanft auf dem Erdboden.

Ein Nachbar und Freund; Edward Rogers, half bei diesen Experimenten.

Während dieser Drachen unter einem guten Winkel mit aller verfügbaren Schnur flog, beschlossen wir, in einem zukünftigen Versuch eine volle Meile Schnur auszulassen. Aus diesem Grund bestellte ich bei der Firma "Pawtucket Braided Line Company" 1,83 km der Nummer 2, einer geflochtenen Baumwollangelschnur. Nach einigen Versuchen mit unzureichendem Wind hatten wir letztlich einen perfekten Testtag. Stetiger Wind von 15 Meilen/Stunde. Da die Leitkanten der Zellen schlimm im Wind flatterten wurden acht dünne Sprucewood-Streifen, die wir zu diesem Zweck vorgesehen hatten, aufgenagelt. Nachdem unsere Winde in Position und alles vorbereitet war ließen wir den Drachen auf. Er stieg auf so schnell wir die Leine auslassen konnten. Die großen schwarzen Zellen des Drachens waren fast außer Sicht als er seine volle Höhe erreichte. Nachdem die 1,83 km abgewickelt waren flog er in einem Winkel von ungefähr 40 Grad und hätte vermutlich noch mehr Schnur getragen, wenn wir nur darüber verfügt hätten. Um der Sicherheit willen wurde ein elastisches Stück Schnur nahe des Drachens in die Flugschnur integriert.

Dieses Ereignis genossen viele Zuschauer, die dann auch halfen, die Schnur wieder einzuholen. Zu keiner Zeit war der Zug so stark, daß der Drachen nicht mit der Hand hätte gehalten werden können. Dieses Experiment fand auf der Great Diamond Insel im Hafen von Portland statt und nachdem der Drachen bis auf 91,5 m über Grund eingeholt war brachten wir unser Gerät an Bord eines Dampfers, um seine Fähigkeit zu testen, auch im Schleppbetrieb zu fliegen. Wir nahmen Position auf dem Deck hinter dem Schornstein und die Rundfahrt zur Stadt gelang ohne Probleme. Der Dampfer fuhr währenddessen in alle Kompassrichtungen und legte mehrfach an. Wir konnten von Bord gehen, bevor wir dann den Drachen einholten und unseren Tag beendeten.

(Die ursprünglichen Zollmaße wurden ins metrische System umgerechnet)

(In den Briefen, die Lamson an James Means geschrieben hat und die mir die DrachenFoundation zur Verfügung gestellt hat, schreibt Lamson am 9.9.1895, dass der modifizierte Hargrave eine halbe Meile Leine bei einem Winkel von 45 Grad trug und er seinen Drachen gegenüber dem Hargrave für ebenbürtig, wenn nicht überlegen betrachtet. Am 2.1.1896 schildert Lamson Means den Versuch, den er im obigen Artikel beschreibt.

In einem Brief an Henry Allen Hazen, der Kontakte zum Weather Bureau in Washington hatte gibt Lamson am 20.3.1895 oder1896 das Gewicht dieses Drachen mit acht Pouds an, sagt aber, dass er bei seinen Drachen eigentlich nicht auf Leichtbau achtet.)


The Multiplane Folding Kite




Weil der Verfasser die meisten Drachen als sehr problematisch zu verpacken und zu transportieren erachtet hat er einen Drachen mit dreieckigen Segeln erfunden, dessen Rahmen so verbunden ist, daß die Segel an den Zentralrumpf gefaltet werden können. (im Grunde das Prinzip der Zwei,-und Dreidecker Aerocurves, der Übersetzer) Die Segel sind in ihrem Winkel einstellbar. Es gibt acht dieser Segel, die paarweise übereinander gesetzt werden, zwei Paare an jedem Ende des Zentralrahmens. Die Stäbe sind auf der dem Wind zugewandten Seite profiliert. Der Zentralrahmen ist in der Mitte teilbar. Wenn die Segel zurückgefaltet sind, der Rahmen getrennt wird und diese beiden Teile aufeinander gelegt werden kann dieser große Drachen in einer Tasche aus Papier oder Stoff verpackt und leicht unter dem Arm getragen werden. Es ist lediglich eine Arbeit von Minuten, den Drachen aufzubauen und in einer frischen Brise steigen zu lassen. Dieser Drachen, aus verschieden farbigem Material, Papier oder Stoff, gebaut macht eine sehr gute Figur am Himmel.

Fußnote von Lamson: weil dieser Drachen so kompliziert gebaut ist und man kaum erwarten darf, dass viele Amateure den Ärger auf sich nehmen, einen zu bauen und weil ich glaube, dass die Luftfahrt Fortschritte machen würde, wenn dieser Drachen zu kaufen wäre, hat der Verfasser ein Patent eingereicht und wird diesen Drachen für den Sommer 1896 auf den Markt bringen. Er wird "Lamson´s Multi-Kite" heißen.

Der Verfasser hat aber nichts dagegen, wenn sich ein Experimentator für seine Zwecke einen solchen Drachen baut.(der jedoch nicht patentiert worden ist, der Übersetzer)

(Die im Plan angegebenen Maße wurden im Vertrauen auf die Maßstäblichkeit der Zeichnung aus den beiden im text genannten Maßen für Länge: 12 Fuß und Breite:7 Fuß errechnet)

Lamson schreibt in einem Brief an H.A. Hazen am 27.6 (wahrscheinlich)1895:
Kürzlich unternahm ich einen Ausflug auf das Meer und flog einen meiner Multiplane Kites von einem Dampfer aus. Indem ich zwei Leinen benutzte konnte ich den Drachen steuern. Der starke Wind erlaubte mit nicht, mehrere Pound Gewicht an Ballast anzuhängen, der das Tuch hindern würde, den Drachen in Stücke zu schütteln.

Zu diesem Drachenmodell erschien 1898 in der Zeitschrift "American Inventor" ein interessanter Artikel, dessen Übersetzung ich hier gebe.


   
   
 
   

 

 

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