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Marc Pujo

 Le Dossier
 

 

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Marc Pujo

   





Pierre Maziere hat mir sehr freundlich erlaubt seinen Homepageartikel übersetzen zu dürfen und die Bilder zu verwenden. Den Teil über die Technik seiner Kameras für die Luftbildphotographie habe ich nicht übersetzt.

Sein Leben

Marc Donnel Pujo wurde am 29.10 1871 in Guibonnet in der Kommune Saint Ciers de Canesse, ungefähr 25 km nördlich von Bordeaux am rechten Ufer der Gironde geboren. Sein Vater, Bernard Donnel Pujo, ist Mediziner und besitzt Ländereien. Seine Mutter, Anne Helene Grenier, hat keinen Beruf. Das Kind besucht die Grundschule in Berson und setzt seine Schullaufbahn auf einer religiösen Schule in Saint Andre de Cubzac fort. Schließlich studiert er in Bordeaux Spezielle Mathematik in der Hoffnung Ingenieur an der Ecole Central zu werden. Eine starke Kurzsichtigkeit verhindert aber seine Aufnahme an dieser Schule. So muß er auch nicht zum Militär. Schließlich bekommt er die Erlaubnis an der Fakultät zu Bordeaux studieren zu dürfen.

Im Alter von 21 Jahren kann er frei seinen vielen Interessen nachgehen, weil ihn die finanzielle Hilfe seiner Familie vor Geldsorgen schützt. Es ist eine Zeit der enormen Entwicklungen in Kunst, Technik und Wissenschaft.

Marc beginnt dann ernsthaft mit seiner Ausbildung in der Malerei. Zunächst in Bordeaux, dann in Paris von 1895-1897. Er ist einer der letzten Schüler von Gustave Moreau, der u.a. auch Lehrer von Matisse war. Die Bilder von Pujo haben nicht die Modernität dieser Zeit, drücken aber sein mehr klassisches Talent aus. Der Perfektionismus und das Bewusstsein seiner Grenzen lässt Pujo mit der Malerei aufhören. 1897 heiratet er eine ferne Cousine. Sie haben eine Tochter und ziehen 1900 nach Paris um.

Nach fünf Jahren in Paris kehrt das Ehepaar nach Saint Ciers zurück, um auf den elterlichen Ländereien Weinbau zu betreiben. Das Berufsleben Pujo’s konzentriert sich darauf, die Bewirtschaftung des Landes zu organisieren. Die Arbeit aber wird von einigen Landarbeitern erledigt. Neben dem Weinbau gibt es auch Schweine und Kühe. Diese Aktivitäten lassen ihm viel Zeit, um sich den Künsten und den Wissenschaften, teilweise auch den Drachen zu widmen.

Während des Drachenwettbewerbes in Spa, in Belgien 1912 stirbt seine Frau an Tuberkulose. Marc reist sofort ab und ist tief getroffen, weil ihn mit seiner Frau ein tiefer gemeinsamer Sinn für die Künste verband. !913 heiratet er Louise Humblot, deren Vater der Besitzer eines Nachbarweingutes ist. Pierre und Robert werden geboren.

Die Geschäfte florieren und einige Erbschaften erlauben es, Land zu kaufen und 1914 in ein Schloß, dessen Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht, umzuziehen, mit Turm, Kapelle und Wassergraben. In den Nebengebäuden befinden sich Weinlager für tausende Fässer der Qualität „Premier cru bourgois.“

Der 1. Weltkrieg berührt das Leben der Pujos kaum. Er wird zu den Hilfskräften eingezogen, die deutsche Kriegsgefangene auf der Ile d’Oleron bewachen. Ende 1916 bis 1917 wird er an das Meteorologische Büro des Militärs in Trappes berufen, wo er einen Drachen nach seinen Prinzipien verfeinern soll.

Nach dem Krieg baut Pujo mehrere Jahre Posten für die drahtlose Telegraphie. Die hatte er wahrscheinlich in Spa für sich entdeckt. Das aufkommende Radio lässt seine Begeisterung schwinden. Ende der Zwanziger entdeckt er das damals wohl neue Camping.

!930 wird Esperanto immer populärer. Pujo schließt sich dieser Bewegung an, schreibt Artikel für Esperanto-Zeitschriften und übersetzt einige französische Klassiker. Schon bald verliert er aber wieder das Interesse. Die englische Sprache setzt sich als Weltsprache durch.

Nach dem Krieg 39-40, der nur geringe Auswirkungen für die Familie hat, werden die Güter geschlossen. Marc Pujo stirbt am 4.4.1956 im Alter von 84 Jahren und ist in seinem Heimatort neben seiner ersten Frau begraben.

Von Geburt an hat Pujo keine finanziellen Sorgen. Seine Klugheit lässt ihm die Möglichkeit, mit den Erfindungen seiner Zeit zu spielen. Jede seiner Beschäftigungen, Malerei, Photographie, Drachen, drahtlose Telegraphie, Esperanto betreibt er mit oberflächlicher Neugier aber großer Leidenschaft. Im Fall der Drachen liegt er auf dem Niveau derer, die sich in Europa intensiver mit Drachen beschäftigten.

Der Drachenflieger

Die Anfänge




Um 1900, nach dem Wegzug aus Paris , beginnt Pujo aktiv, sich mit Drachen zu beschäftigen. Er besorgt sich das Buch von Joseph Lecornu „Les Cerfs-Volants“, das 1902 herauskommt, und beginnt mit der Konstruktion eines Multicellulaire Oblique des Autors. Marc Pujo schneidet und näht den Stoff selbst. Das ist für die Zeit eher ungewöhnlich, da solche Arbeiten traditionell Frauen zugeteilt werden. Schwierigkeiten bei der Konstruktion veranlassen Pujo eine Korrespondenz mit Lecornu zu beginnen, um Details beim Bau zu klären. Schließlich ist der Drachen fertig, fliegt aber schlecht. Pujo wundert sich: „Trotz allem liebe ich diesen Flieger. Seine breite ,rautenförmige Form gefallen mir unendlich und ich habe ihn ausgewählt, obwohl er schwieriger zu trimmen ist als die rechteckige Form Ich habe ihn noch manchmal an Sommerabenden geflogen, an denen die Luftströmungen perfekt waren. Seine Anmut ist unvergleichlich. Er sieht aus wie ein Schmetterling mit Goldschuppen, der am blauen Himmel aufgepiekst ist, wenn die Sonnenstrahlen auf ihm liegen. Seine kleinen Zellen flattern und schmeicheln dem Ohr mit ihrer liebenswerten Musik. Durch seinen geringen Zug an der Flugschnur murmelt eine lautere Stimme: „Steige auf, Vater.“ Das ist die Vision eines heißgeliebten Kindes, das sie vielleicht verloren haben und das sie ruft... Es liegt viel in diesem Zug der Flugschnur, dem Flattern der Zellen, den Goldschuppen des Multicellulaire von Herrn Lecornu. Es ist ein kunstvoller und poetischer Drachen.“




Angetan von seinen ersten Versuchen sucht Pujo nach weiteren Literaturquellen. Er liest die aeronautische Presse aus Frankreich, Großbritannien und Amerika. Er informiert sich über meteorologische Drachen wie sie in den USA verwendet werden und reist nach England, um die Drachen für Menschenaufstiege von Cody und Baden- Powell zu photographieren. In Frankreich selbst baut er Beziehungen zu den maßgeblichen Drachenleuten aus. Meist sind es Männer die ihm sozial, beruflich oder intellektuell nahestehen. Er trifft Emil Wenz (Wollhändler aus Reims), Saconney ( Militär-Polytechniker), Picavet (Ingenieur aus Lille) und Damas (Rechtsanwalt). All diese Männer wollen den Drachen in Verbindung mit der Luftphotographie bringen. Ende 1911 trifft Wenz, immer in Sachen Wollhandel unterwegs, in Bordeaux Damas und Pujo. Er schreibt über dieses Treffen:“ Ich habe sehr angenehme Stunden mit Damas und Pujo in Bordeax verbracht. Letzterer ist Weingutsbesitzer und hat Zeit und Platz für seine Experimente. Er liebt es viel an Konstruktionsarbeit selbst zu tun.

Für Damas hat er eine Kamera 9X 13 cm gebaut.

Andere Drachenflieger, die Pujo nicht trafen, waren in vergleichbarer Position. A. Batut war Landbesitzer und erfand die Luftbildphotographie mit Drachen, Rene Desclee war ein Bürgerlicher aus Tournai.

Die Erfindungen




Das übersetze ich hier nicht, sondern verweise auf meine Übersetzung des Artikels von Pujo über seinen „Decentrale“ und die Auseinandersetzung zwischen Roch Donzella und Pujo. Beides ist hier auf der Homepage zu finden. Erwähnenswert aus dem Text von Pierre Maziere finde ich, dass die Gebrüder Farman bei ihrem Doppeldecker-Flugzeug auf Konstruktionsprinzipien Pujo’s zurückgriffen.





Der Wettbewerb von Spa

Der Wettbewerbsteil „Luftphotographie“ von Spa in Belgien ( 18-25. 8.1912) war der Ruhmesmoment für Pujo.

Unter den insgesamt acht Wettbewerben fanden zwei im Bereich der Luftphotographie statt. Einer davon war die Panoramaphotographie, in dem es darum ging. bestimmte Punkte auf der Erde in die Mitte eines Photos zu bekommen. Der Apparat musste mindestens 400 Meter hoch fliegen. Nach dem Wettbewerb ,in dem es um das Manlifting ging, war dies der Zweit- Wichtigste. Pujo gewinnt vor dem Deutschen Otto Steiff ( der berühmten Stofftierfabrik) und dem Briten Baden-Powell (dem Bruder des Gründers der Pfadfinderbewegung). Am 23 .8. wird er Zweiter hinter Steiff im Preis um die topographische Photographie. Am 24.8. schließlich präsentiert er sich mit 6000 Metern ausgelassenem Stahldraht beim Höhenwettbewerb, muß aber wegen des Todes seiner Frau abreisen.

Insgesamt gewinnt er als Preissumme 2500 Francs. Das ist zu dieser Zeit das Jahreseinkommen eines Pariser Fabrikarbeiters oder mindestens der Zweijahreslohn eines Landarbeiters. Das war eine beträchtliche Summe, auf der anderen Seite aber wenig im Vergleich zu Santos-Dumont, der 100 000 Francs für seine Umrundung von Paris im Luftschiff erhielt.

Der Erfolg von Spa erhöhte die Bekanntheit von Marc Pujo in der kleinen Welt der Drachenflieger. Sein Rat wurde nun eingeholt, seine Drachenkonstruktionen aufgegriffen, man bat ihn um sein Patronat für Drachenclubs.

Er gewann auch weitere Luftbildwettbewerbe: den der Zeitschrift „La Nature“ 1913 und auch den der Ligue francaise de Cerf-Volant, ebenfalls 1913.

Die meteorologischen Drachen und der Krieg




(Bildunterschrift: meteorologischer Drachen von Pujo vor der Werkstatt (Trappes 1917)

Die Photographie, die Menschenaufstiege, die drahtlose Telegraphie und die Meteorologie waren zu dieser Zeit die Einsatzgebiete von Drachen.

Schon vor dem Krieg war Capitaine Saconney , den man in Frankreich als den Drachenpapst sah, freundschaftlich mit Marc Pujo verbunden. Er betrachtete den meteorologischen Drachen von Pujo als den Besten und forderte ihn für die Armee an. Diese Drachen trugen Messinstrumente für Windgeschwindigkeit, - und Richtung und den Drachenzug. Bei starken Winden wurde dafür der Drachen Saconney benutzt, bei Schwächeren der von Pujo.

Bei der 5. Luftfahrtausstellung im Grand Palais von Paris hing ein meteorologischer Drachen Pujo’s unter der Decke, neben den Flugzeugen dieser Zeit. Wegen der Kriegserklärung im August 1914 wurden die rekrutierten Drachenflieger den Luftschifferabteilungen zugeordnet, die Saconney gegründet hatte. Marc Pujo war zu Kriegsbeginn 43 Jahre alt.

Die Meteorologie war in dieser Zeit sehr wichtig, weil die Winde stark den Einsatz von Giftgas bestimmten. Sie waren auch wichtig für die Ballons, die Flugzeuge und die Flugbahn von Geschossen. Verschiedene Drachen wurden für diese Zwecke ausprobiert. Es gab aber nur wenige Vorschläge: Frantzen, Nerlow, Pantenier und Pujo. Frantzen und Nerlow mit seinem Anemometre konnten sich nicht durchsetzen. Blieben Pantenier und Pujo.

Pujo wurde Anfang 1917 für ungefähr 6 Monate nach Trappes, nahe Paris, berufen, wo das ehemalige Meteorologische Privatobservatorium von Tesserenc de Bort lag und wo sich seit dem Krieg der Geographische Service der Armee mit der Meteorologie beschäftigte. Hier traf er Pantenier wieder, mit dem er schon in Spa 1912 in Berührung gekommen war.

Der Drachen, den Pujo präsentierte, war ein ganz einfacher, geflügelter Kastendrachen, der aber raffiniert konstruiert war, um starken Winden widerstehen zu können. Das Prinzip war, die Zellen durch je vier Bambusstreben aufzuspannen, die diagonal verliefen und auf Druck beansprucht wurden. Dieses System ersetzte das bisher Geläufige, das die Zellen durch Spannschnüre versteifte.

Der Vergleich beider Modelle ergab, dass der Pantenier besser in mittleren Winden flog, der von Pujo am besten für stärkere Winde bis zu 80 Km/h geignet war. Pujo zog sich zurück, seine Drachen wurden aber nahe Lorient auf Anfrage der Marine weiter getestet, um die Windgeschwindigkeit in Höhen von 3000 Metern zu messen. Pantenier setzte die Produktion des Pujo-Drachens 1918 in Trappes fort. Nach dem Krieg beschäftigte sich Pujo nur noch ganz wenig mit Drachen.

Marc Pujo war einer der wenigen Drachenflieger, die sehr viel zur Technik der Drachen beigetragen haben. Sein abgelegener Wohnort Berson oder vielleicht auch seine elitäre Art alleine arbeiten zu wollen erklären, warum er sich nie mit Menschenaufstiegen beschäftigte. Dazu hätte es vieler Anderer bedurft. In den Bereichen Meteorologie und Photographie erzielte er aber exzellente Ergebnisse.

Das Faszinierenste an ihm ist aber das glückliche Zusammentreffen von Kunst und Technik Einige seiner Drachenskizzen scheinen das Ergebnis rein äthestischer Gesichtpunkte zu sein.

Darin ist er Vorläufer vieler, die heute Drachen und Kunst vereinigen wollen.




Quellen und Danksagungen

Zeitschrift: „Le Cerf-Volant“ 1909-1912

Zeitschrift: „La Revue du Cerf-Volant“ 1912-1914

Kapwa Magazin, Ausgabe 4, Nr.1

Zeitschrift: „Science et la Vie“ April 1914-Juli 1917

Zeitschrift : „Photo Revue“ 1912

Historischer Dienst der Marine in Vincennes

Bibliotheque Meteo France in Paris

Ich danke Anne und Robert Pujo für die vielen Informationen, die sie gegeben haben. Zuerst aber für die freundliche Gastfreundschaft, mit der sie mich in ihrem Haus in Boisset empfangen haben.




 
 
 
   

 

 

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